Doppelblinde placebo-kontrollierte Studie zur schmerzlindernden Wirkung der Implantation von Goldteilchen bei Hunden mit Hüftdysplasie

„Hüftdysplasie ist eine verbreitete, nicht heilbare und schmerzhafte Erkrankung bei mittleren und großen Rassehunden, und die gegenwärtigen Behandlungsmethoden sind bestenfalls palliativ. Dieser Beitrag beschreibt eine doppelblinde und placebo-kontrollierte klinische Studie der Wirksamkeit der Implantation von Goldteilchen bei der Behandlung schmerzhafter Arthrose aufgrund von Hüftdysplasie bei 78 Hunden”, um so „eine Goldteilchenimplantation als schmerzlindernde Behandlung zu evaluieren.“

„Die Hunde waren allesamt Familienhunde, die aus ganz Norwegen über Veterinär- und Züchtervereins-Magazine rekrutiert wurden. Zur Teilnahme eingeladen waren Hunde jeglicher Rasse und beider Geschlechter, im Alter von einem bis acht Jahren, die in der Vorgeschichte Schmerzen und/oder Lahmheit oder Fehlfunktion der Hinterläufe aufgrund von Hüftdysplasie aufwiesen und nicht mittels Akupunktur behandelt worden waren. Behandlungen mit nicht-steroiden antientzündlichen Medikamenten (NSAIDs) und Kortikosteroiden wurden spätestens 14 Tage bzw. 3 Monate vor der Teilnahme der Tiere an der Studie abgesetzt, doch NSAIDs konnten während der Studie eingesetzt werden, wenn der Hundehalter das für notwendig hielt, und ihre Verwendung wurde aufgezeichnet.” 80 Hunde von 28 verschiedenen Rassen wurden rekrutiert: 19 deutsche Schäferhunde, 7 Golden und 7 Labrador-Retriever, 6 gemischtrassige Hunde und 41 weitere Hunde aus 24 verschiedenen Rassen; 33 männlich, 47 weiblich, mittleres Gewicht 34,8 kg, Schmerzzeichen im Durchschnitt seit 2,3 Jahren. Der Zustand der Hüften der Hunde wurde von einem Tierarzt oder einem Chirurgen vor der Zuweisung zur Placebo-Gruppe oder der Gruppe mit der aktiven Behandlung evaluiert. „Die Norwegian Animal Research Authority stimmte der Studie zu, und die Halter gaben ihr schriftliches Einverständnis und mussten für ihre Teilnahme nicht zahlen.”

Die Studie hatte geschichtete parallele Gruppen, die Schichtungseinflussfaktoren, von denen angenommen wird, dass sie das Ergebnis beeinflussen, sind Körpergewicht (20, 20,1–34,9, 35 kg) und Grad der Hüftdysplasie (mild/mäßig, schwer). Durch Blockrandomisierung mit einer Blockgröße von 4 „wurden die Hunde zufällig zwei Gruppen zugeordnet, 38 der Goldimplantationsgruppe”, von denen 36 die Studie beendeten, „und 42 der Placebo-Gruppe”. Die Hunde waren gleichverteilt in Bezug auf Geschlecht, Alter, Gewicht, Grad der Hüftdysplasie, Dauer der Schmerzzeichen und im Hinblick auf Stimmung, Grad der Dysfunktion, Beweglichkeit und Steifheit am Morgen und nach Übungen, Lautgeben als Reaktion auf Schmerzen und Vermeiden des Springens in ein Auto. „Jedoch waren das allgemeine Schmerzniveau und der Bedarf, während der Übungen Ruhepausen einzulegen, signifikant höher in der Goldimplantationsgruppe als in der Placebo-Gruppe.” Die Halter waren angewiesen, ihren Hunden dieselbe Art der Übungen und des Futters wie vor der Studie zu geben und schmerzlindernde Medikationen aufzuzeichnen.

„Beide Gruppen wurden gleich behandelt hinsichtlich Anästhesie, Haarschnitt und Durchdringen der Haut mit demselben Typ von Nadel. Die Goldimplantationsgruppe bekam an fünf verschiedenen Akupunkturpunkten durch Nadeln [zwei] kleine Stücke von 24-karätigem Gold” – 1 mm im Durchmesser und 2 mm lang, 35–40 mg, abgeschnitten von Golddraht– „eingesetzt, und in der Placebo-Gruppe wurde die Haut an fünf Nichtakupunkturpunkten durchdrungen, um so jede mögliche Wirkung des Stimulierens der Akupunkturpunkte zu vermeiden. Ein geprüfter Veterinär-Akupunkteur markierte die Punkte, und zwei operierende Ärzte führten die Implantationen gemäß einem Randomisierungscode aus, der zuvor erstellt worden war.

Nach 14 Tagen, drei Monaten und sechs Monaten bewertete der Halter in einem Fragebogen den Gesamteffekt der Behandlungen, und derselbe Tierarzt untersuchte jeden Hund und beurteilte anhand von Videoaufzeichnungen den Grad der Lahmheit beim Gehen und Laufen. Die Behandlung war für die Halter wie den Tierarzt verblindet.” Die Halter bewerteten:

  • Die Gesamtreaktion des Hundes (Beweglichkeit, Lahmheit, Steifheit und Verhalten zu Hause und während verschiedener Arten von Übungen) auf einer 6-Punkte-Likert-Skala (1 starke und 2 mäßige Verschlechterung, 3 keine Veränderung, 4 mäßige und 5 große Verbesserung, 6 keine Zeichen von Hüftdysplasie);
  • Schmerz und Fehlfunktion (Fähigkeit, Treppen zu steigen, Spielen, Springen, Agilitätstraining, Jagen und Übungen) auf einer 10 cm langen visuellen Analogskala (0 = keine, 10 = extreme Schmerzen oder Dysfunktion);
  • Stimmung (Zeichen von Behagen und Begeisterung) als 0 (sehr schlecht) … 5 (ausgezeichnet);
  • Lebensqualität (gesamtes Wohlbefinden, einschließlich der Fähigkeit, physische, mentale und soziale Bedürfnisse zu erfüllen, Zeichen von Schmerz und Dysfunktion; schlecht/recht gut/sehr gut).

Der Tierarzt beurteilte „die Zeichen von Schmerz, hervorgerufen durch das Drehen, Beugen und Dehnen der betroffenen Hüfte, und bewertete sie auf einer 4-Punkte-Skala” (1 keine Schmerzreaktion, 2 leichte S.r., versucht, sich wegzubewegen, 3 mäßige S.r., dreht den Kopf zur Hüfte hin, leichtes Lautgeben, 4 große S.r., dreht den Kopf mit der Absicht zu beißen, heult). Beide Hüftpunkte wurden zu einer totalen Schmerzzahl addiert [ergibt Zahlen 2…8]. „Bei jedem Besuch wurden die Hunde beim Gehen und beim Laufen auf Video aufgezeichnet, vor und nach dem Strecken/Dehnen jeder Hüfte und bei Links- und Rechtsdrehungen. Bei jeder Gangart wurde die Lahmheit auf einer 5-Punkte-Skala eingestuft” (0 keine Lahmheit, 1 kaum gestörte Fortbewegung, 2 Fortbewegung gestört, aber Gliedmaße(n) tragen noch Gewicht, 3 Lahmheit, wobei Gliedmaße(n) nicht immer Gewicht tragen, 4 kein Gewichttragen auf Gliedmaße(n)). „Die Punktzahlen der fünf Gangarten jedes Hundes bei jeder Untersuchung wurden zu einer Gesamtlahmheitszahl addiert.”

Die Beurteilungsergebnisse wurden auch statistisch analysiert. Faktoren und Variablen, „die als kontinuierlich verteilt angenommen wurden”, „werden als Mittelwerte ausgedrückt mit einem 95-%-Konfidenzintervall (KI), berechnet nach dem Student-Verfahren”. „Diskontinuierlich verteilte Faktoren und Variablen werden in Kontingenztabellen wiedergegeben”. Vergleiche zwischen und „Veränderungen innerhalb der Gruppen werden mittels zweiseitiger Tests beurteilt, mit einem Signifikanzniveau von 5 %. Vergleiche zwischen den Gruppen wurden durchgeführt in Bezug auf: a) diskontinuierlich verteilte Faktoren und Variablen durch Kontingenztabellen-Analyse; b) „die als kontinuierlich verteilt angenommenen Variablen” „durch Varianzanalyse mit wiederholten Messungen und der Anfangsbeurteilung als Kovariate”. „Eine matched-pairs analysis of variance wurde für eine Analyse innerhalb der Gruppen verwendet. Um die Gruppen hinsichtlich der Variable ,Anzahl der Tage bis zu einer beobachteten Verringerung der Schmerzzeichen’ zu vergleichen, wurden Survival-Analyse” und Kaplan-Meier-Plots verwendet.

Die allgemeine Reaktion nach 14 Tagen/3 Monaten/6 Monaten [vom Halter beurteilt] verbesserte sich für 54,8/59,5/52,4 % der Hunde in der Placebo-Gruppe und für 38,9/69,4/83,3 % der Hunde in der Goldimplantationsgruppe, war also signifikant größer nach 6 Monaten (P=0,02). Der mittlere Schmerzwert zu Beginn/nach 14 Tagen/3 Monaten/6 Monaten betrug 4,8/3,8/3,1/3,1 in der Placebo-Gruppe und 5,6/4,8/2,6/1,9 in der Goldimplantationsgruppe, das bedeutet etwas höher am Anfang, aber signifikant niedriger nach 6 Monaten (P<0,01). Die „Medianperiode, nach der eine Verringerung der Schmerzzeichen beobachtet wurde, betrug 21 Tage” in der Gold- und 10 Tage in der Placebo-Gruppe (P=0,04) [siehe Kaplan-Meier-Plot]. Auch die Schmerzbewertung des Tierarztes beim Manipulieren der Hüften nach 6 Monaten war signifikant niedriger in der Goldimplantationsgruppe als in der Placebo-Gruppe.

Die mittlere Dysfunktionszahl [Halterbeurteilung] zu denselben Zeitpunkten betrug 4,1/3,4/2,7/2,4 in der Placebo- und 4,6/4,4/2,3/1,6 in der Goldimplantationsgruppe , lag also signifikant niedriger nach 6 Monaten (P=0,03), wobei die mittlere Reduktion 39,3 bzw. 64,6 % betrug (P<0,03). Während sich die Stimmung in der Placebo-Gruppe nicht signifikant änderte, waren die Verbesserungen nach 6 Monaten in der Goldimplantationsgruppe signifikant. Die Lebensqualität stieg in beiden Gruppen über 6 Monate signifikant, jedoch nicht signifikant zwischen ihnen.

Lahmheit wurde vom Tierarzt bei 20 der 36 Hunde in der Goldimplantationsgruppe zu Beginn und bei 7 Hunden nach 6 Monaten festgestellt, mit einer totalen mittleren Lahmheitszahl von 85 bzw. 28; während in der Placebo-Gruppe die Anzahl der lahmenden Hunde 22 bzw. 11 der 42 Hunde betrug, mit einem mittleren Wert von 73 bzw. 39.

Zusammenfassend „gab es signifikant größere Verbesserungen der Beweglichkeit und eine größere Abnahme der Schmerzzeichen bei den mit Goldimplantation behandelten Hunden als in der Placebo-Gruppe. Die Beurteilungen des Tierarztes und der Halter entsprachen einander gut.” Die „gegenwärtigen Ergebnisse stimmen mit praktischer Erfahrung und Einzelberichten überein.”

Eine mögliche Erklärung für den „Placebo-Effekt besteht in der positiven Haltung der Halter gegenüber einer neuen und möglicherweise umstrittenen Behandlung wie der Goldteilchenimplantation, die eine potenzielle Quelle einer Befangenheit war, die in beiden Gruppen zu einem Placebo-Effekt geführt haben könnte.”

Die Behandlung mit Schmerzmitteln war zugelassen und wurde aufgezeichnet. Zum Ende der Studie hin wurden in der Placebo-Gruppe mehr von den Hunden behandelt und keiner in der Goldimplantationsgruppe.

Auf der Grundlage der positiven Ergebnisse ihrer Studie schlussfolgern und empfehlen die Autoren: „Goldteilchenimplantation sollte daher in Betracht gezogen werden, wenn konservative oder medizinische Behandlungen nicht die gewünschte Wirkung erzielen oder wenn ein operativer Eingriff keine Option ist.”
 

Gry T Jæger, Stig Larsen, Nils Søli, Lars Moe: Double-blind, placebo-controlled trial of the pain-relieving effect of the implantation of gold beads into dogs with hip dysplasia. The Veterinary Record 2006, 158(21):722-726, June 2006, doi: 10.1136/vr.158.21.722, https://veterinaryrecord.bmj.com/content/158/21/722.long .